Lingen Fußgängerzone-2

Mit dem Rad gut zu Fuß in der Fußgängerzone in Lingen

Wer schiebt, verliert – oder doch nicht?!

Radfahren. Vielgepriesen als umweltfreundliches Fortbewegungsmittel, das gut für die CO2-Bilanz ist und sich im Stadtverkehr als flink und platzsparend erweist. Dass die Fahrt auf dem Drahtesel viele Vorteile mit sich bringt, ist hinreichend bekannt. Eine positive Wirkung auf das Blutbild, flexiblere und stärkere Blutgefäße, ein besserer Muskelaufbau und die ideale Unterstützung bei der nächsten Diät – dies sind nur einige Gründe, die für das Radeln sprechen.

Viele Städte verfügen bereits über ein Fahrradwegenetz, das die Radfahrer von den Autofahrern abgrenzt und so eine Co-Existenz im Straßenverkehr gewährleistet. Doch was ist mit den ausgewiesenen Fußgängerzonen? Inwieweit können Radfahrer sich in Gebieten fortbewegen, die eigentlich Fußgängern vorbehalten sind? Welche Gefahren birgt dies? Und wo stehen sich die Bedürfnisse beider Anspruchsgruppen entgegen? Wie so oft, sind auch hier Kompromisse angebracht und notwendig. Und bei genauerem Hinsehen wird selbst der passionierteste Radler erkennen, dass das Schieben durch die Fußgängerzone sogar Vorteile birgt.

Die Ansprüche, Bedürfnisse und Wünsche von Fußgängern und Radfahrern

Schildt in Lingen Fußgängerzone

Im Vergleich zum Auto bietet das Fahrrad etliche Vorteile im Straßenverkehr. Es trägt nicht nur zur Gesundheit des Einzelnen bei, sondern ist auch aus sozialen und ökologischen Gesichtspunkten vorteilhaft. Der Bedarf an Fläche wie beispielsweise Radwege oder ähnliches ist – verglichen mit dem Auto – sehr gering. Mit durchschnittlichen Geschwindigkeiten zwischen 15 und 30 Kilometer pro Stunde kann der Radfahrer die meisten Ziele im Stadtgebiete innerhalb weniger Minuten erreichen. Und auch Menschen, die in ihrer Mobilität und damit in ihrem Bewegungsradius eingeschränkt sind, können sich dank elektrisch unterstützter Zweiräder zuverlässig über weitere Strecken fortbewegen. Sogar für Lieferdienste oder anderweitig logistisch arbeitendes Gewerbe bieten E-Bikes eine probate Alternative im Stadtverkehr.

Das Fahrradwegenetz ist denen des Fußgängers ähnlich. Beide benötigen direkte Wegeverbindungen und ein dichtes Netz in der Innenstadt. Beim Radfahrer kommt noch ein weiterer Faktor hinzu: eine hohe Verkehrssicherheit. Für die problemlose Fortbewegung beider Parteien sind verkehrsberuhigte Straßen mit einem entsprechenden Platzangebot erforderlich. Insbesondere für Fußgänger explizit ausgewiesene Bereiche entsprechen daher gemeinhin ebenso den Bedürfnissen von Radfahrern. Was hierbei sichtbar wird: Die Ansprüche und Wünsche beider Gruppen konkurrieren miteinander – obgleich Radfahrer dennoch grundsätzlich eine schnellere Fortbewegung anstreben, für die eine möglichst störungsfreie Fahrt notwendig ist.

Für beide Beteiligten muss daher für ausreichende Sicherheit gewährleistet sein. Dazu zählen eine entsprechende Breite der Fahrradwege sowie die Einhaltung des Abstands zu anderen Verkehrsteilnehmern.

Herausforderungen zwischen Radfahrern und Fußgängern

Weil sowohl Radfahrer als auch Fußgänger ähnliche Bedürfnisse besitzen, sind Konflikte vorprogrammiert. Beide Parteien bevorzugen kurze, autofreie Wege, die sie schnell an das gewünschte Ziel führen. Damit ist das Benutzen von Fußgängerzonen für Radfahrer nicht immer komplikationslos, denn das Verhalten beider Verkehrsteilnehmer ist grundverschieden: während Radfahrer in der Regel vorausschauend agieren, lassen sich Fußgänger eher von der Situation leiten, ihre Bewegungen finden nicht linear statt und sind für Radfahrer daher auch schwer einschätzt- und vorhersehbar. Das meist lautlose Annähern eines Radfahrers erschreckt Fußgänger. Sie fühlen sich von der plötzlichen und unvorhergesehenen Begegnung überrumpelt, insbesondere weil der Radfahrer in ihren Bewegungsradius eindringt. Ein ausreichender Abstand lässt sich hier meist vermissen – zumindest dem Empfinden des Fußgängers nach. Radfahrer bestimmen damit den Ablauf des Aufeinandertreffens.

Vor allem Kinder und ältere Menschen empfinden solche Situationen als bedrohlich und gefährlich. Während Kindern die Wahrnehmung für derlei Gefahren fehlt, sind sich Senioren dessen durchaus bewusst, können aber möglicherweise aufgrund begrenzter Mobilität oder anderer körperlicher Einschränkungen nicht schnell genug reagieren. Bei Kindern kommt außerdem hinzu, dass sie nicht oder noch nicht zwischen ausgewiesenen Radwegen und Fußgängerzonen unterscheiden können. Für den Radfahrer unerwartete Tempowechsel des Fußgängers durch abruptes Anhalten oder unvorhergesehene Richtungswechsel sind eine Herausforderung in Fußgängerzonen. Zusammenstöße von Radfahrern mit den beiden genannten Gruppen verlaufen aus diesem Grund meist verhängnisvoll.

Solche Interaktionen zwischen Fußgängern und Radfahrern werden durch den zu Fuß gehenden meist als deutlich schwieriger erlebt. Der Radfahrer besitzt in diesen Situationen die „Macht“.

Radfahrer in der Fußgängerzone
Foto pixabay.com

Welche Vorteile das „Schieben“ in der Fußgängerzone bietet

Bewegen sich Radfahrer in einer Fußgängerzone, die nicht für den Radverkehr freigegeben ist, bleibt ihnen nur eines: schieben.

Doch wider Erwarten der meisten Zweirad-Fans bietet das Schieben auch einige Vorteile, die vielleicht erst auf den zweiten Blick interessant sind.

Das Rad als Lastenesel

Wer das Rad als Fortbewegungsmittel nutzt, ist nicht immer nur Schüler oder Berufspendler. Für viele Radfahrer ist es Mittel zum Zweck im lebhaften Stadtverkehr. Es bietet sich als praktische und umweltfreundliche Transport-Alternative für das Einkaufen an und ersetzt das im Stadtverkehr oft sperrige Auto. Egal, ob mit dem Einkauf auf dem Gepäckträger oder im Anhänger – ein Fahrrad eignet sich bestens als Lastenesel, das den Einkauf problemlos nach Hause trägt. Das lästige Schleppen entfällt.

Befinden sich die Einkaufsmöglichkeiten in der Innenstadt, bietet sich der Gang mit dem Fahrrad ideal an. Nach Verlassen der Fußgängerzone kann der Radfahrer wieder in die Pedale treten.

Gefahrlos unterwegs sein – motorisierten Fahrzeugen „entkommen“

Sicher – Schieben ist nicht jedermanns Sache. Dennoch: es ist weitaus angenehmer, als sich mit dem Fahrrad (fahrenderweise) durch dichten Stadtverkehr quälen zu müssen. Das ist anstrengend und gefährlich. Der Gang durch die Fußgängerzone ist weitaus sicherer und komfortabler für alle Beteiligten. Ohne großen Stress führt der Weg an Baustellen, Umleitungen oder Staus vorbei. In den meisten Fällen ist der Radfahrer trotz Schiebens schneller am Ziel als sein motorisierter Kollege.

Schieben öffnet den Blick für das Offensichtliche

Im Stress eines ansonsten ohnehin schnelllebigen Alltags geht so manches Detail verloren. Das Fahrrad durch die Fußgängerzone zu schieben, birgt noch einen weiteren Vorteil: es eröffnet den Blick für das eigentlich Offensichtliche, das einem während einer flotten Fahrt verborgen bleibt. Während rechts vielleicht ein neues Café oder ein neuer Laden eröffnet hat, wartet links der neue Asiate, von dem die Bekannte schon lange erzählt hat.

Unterhaltungen sind möglich

Wer mit Familie oder Freunden auf dem Drahtesel unterwegs ist, hat beim Schieben endlich Gelegenheit, eine Unterhaltung zu führen. Denn während des Spaziergangs mit dem Rad eröffnen sich nicht nur neue Perspektiven, sondern auch Möglichkeiten der Konversation – vielleicht sogar für einen Plausch mit den Bekannten, denen man unerwartet in der Fußgängerzone begegnet.

Verschnaufpause – Entspannung und Lockerung der Muskeln

Radfahren ist gut für die körperliche Fitness. Eine kurze Verschnaufpause, während der sich die Muskeln wieder entspannen können, aber auch. Die monotone Belastung einzelner Körperteile wird unterbrochen, das Gesäß kann sich vom langen Sitzen auf dem Fahrradsattel erholen. Der veränderte Bewegungsablauf tut dem Körper gut, andere Muskelgruppen werden trainiert. Die Mischung aus Be- und Entlastung sorgt für einen wichtigen Ausgleich.

Fazit

Wer sein Fahrrad durch Fußgängerzonen schiebt, agiert rücksichtsvoll und zeigt Verständnis für die Situation. Jeder Radfahrer, der sich im Straßenverkehr bewegt und sich schon einmal durch die schnelleren, motorisierten Fahrzeuge bedroht fühlte, sollte die Situation und Bedürfnisse von Fußgängern in Fußgängerzonen deshalb umso besser nachvollziehen können.

Text Opa Lingen

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