Weihnachtgeschichte

Weihnachten mit Oma & Opa – Corona, ein verliebter Vierbeiner & andere Turbulenzen

„Endlich Ferien!“: So lautet gewöhnlich der freudige Ausruf von schulpflichtigen Kindern kurz vor dem schönsten Fest des Jahres. 2020 sieht natürlich alles anders aus. Denn Jung und Alt durften in diesem Jahr, drücken wir das doch einmal positiv aus, endlich einmal ihre eigenen vier Wände über Gebühr genießen, nach Herzenslust Kaffee oder, der gegenwärtigen Saison entsprechend, heiße Schokolade schlürfen und das ganztägig, ohne auch nur einen Fuß vor die Tür setzen zu müssen.

Mit Blick auf kalte, graue Herbsttage also eine wahre Wohltat. Doch wie sehen dies die jungen Hüpfer, die von unstillbarem Bewegungsdrang angetrieben werden und immer und überall nach neuen Abenteuern und Entdeckungen Ausschau halten?

Die folgende Geschichte, ob sie sich nun tatsächlich ereignet hat oder nicht, zeigt, wie turbulent Advents- und Weihnachtszeit selbst im Jahr der globalen Pandemie ausfallen können.

Weihnachthund

Wo die Liebe hinfällt: die aufregenden Eskapaden unseres treuen Vierbeiners

Dass dieses Jahr mit so manchen Herausforderungen einhergeht, wissen wir alle. Es ist also sicherlich leicht nachvollziehbar, dass Oma und Opa, die zwar rüstig sind, jedoch nicht mehr zu den Jüngsten zählen, nach so vielen Monaten der extremen Umstellung und des unbedingten Einsatzes für die Familie, ein wenig die Puste ausbleibt. Dass sich die lieben Enkel, die sich ohnehin langweilen, so manchen Streich ausdenken, ist ebenfalls verständlich. Dass jedoch unser inzwischen schon ziemlich betagter Vierbeiner zum „Mittäter“ wird, löst allgemeine Verwunderung aus.

Es ist also einer jener beschaulichen Adventstage, in denen wir zu sanft rieselndem Schnee erwachen, als wir einen lauten Schrei vernehmen. Es ist unser jüngster Enkel, der dem Drängen unseres treuen Vierbeiners nachgegeben und ihn zu seinem morgendlichen Erkundungsgang im Garten ins Freie gelassen hat. Ein Blick aus dem Fenster verdeutlicht uns jedoch den Ernst der Lage. Denn im Haus gegenüber, in dem sich seit einiger Zeit ein Pärchen samt stolzer, langhaariger Hündin niedergelassen hat, herrscht Aufbruchstimmung. Ein mehrtägiger Weihnachtsbesuch bei den Verwandten im Nachbarort ist angesagt. Dass dieser nicht ohne großes Spektakel in Form von vielen, schön verpackten Paketen, Gebäckdosen und Koffern einhergeht, versteht sich von selbst.

Unser schlauer Vierbeiner schließt also im Nu folgerichtig: Dies ist nicht nur eine kurze Fahrt zum Supermarkt, sondern eine längere Reise, die ihn von der Gesellschaft seines heimlichen und jetzt ziemlich offensichtlichen Schwarms beraubt. Es ist also rasches Handeln gefragt. Ein Sprung auf den Rücksitz und ein sofortiges Untertauchen in das Meer aus Paketen scheint das Einzige zu sein, das unserem schon leicht ergrauten, liebestrunkenen Vierbeiner einfällt.

Oma und Opa, die sich schnell warme Sachen überstreifen und Richtung Haustür eilen, entgeht dies, so dass sie sich Augenblicke später auf der Straße wiederfinden, die ihren Vierbeiner buchstäblich verschluckt zu haben scheint. Auf dem Hintersitz thront nur die stolze Hündin in ihrer langhaarigen Pracht und mimt die Unschuldige. Unser jüngster Enkel wiederum ruft immer und immer wieder den Namen unseres verschollenen Vierbeiners. Sein älterer Bruder hat das Spektakel vom Fenster aus mitverfolgt, verpasst jedoch ebenfalls jenen folgenschweren Entschluss unseres Vierbeiners, seinem Schwarm ohne Rücksicht auf Verluste in eine ungewisse Zukunft zu folgen. Aber nun eilt er hinaus, ruft seinem Bruder einen Schlachtruf zu, schwingt sich auf sein in der Garage gelagertes Mountainbike, wartet auf den Jüngsten, bis es dieser ihm nachtut und beginnt dann die Verfolgungsjagd des in der Ferne immer kleiner werdenden Audis unserer Nachbarn. Vielleicht ist es nur ein Verzweiflungsakt, vielleicht aber auch der siebte Sinn, der ihn glauben macht, dass sich unser hoffnungslos verliebter Vierbeiner darin versteckt hat.

Gebrannte Mandeln, Schokoäpfel & andere Leckereien

Die Reise nimmt glücklicherweise schon wenige Minuten später ein jähes Ende, als unsere Nachbarn einen Stopp in der Stadt machen, um an einigen Köstlichkeiten aufzustocken. Bäckerei, Metzgerei und Weihnachtsbude zählen zu ihren wichtigsten Anlaufstellen und natürlich darf die stolze Hündin hierzu auch noch einmal an die frische Luft. Als die Wagentür hinter ihr zufällt, vergisst unser treuer Vierbeiner alle Vorsichtsmaßnahmen und bahnt sich energisch einen Weg durch all die ihn bedeckenden Geschenkpakete. Als sein Kopf im Fenster erscheint, juchzt unser jüngster Enkel, der nun ziemlich atemlos und mit Schnee bedeckt, den Parkplatz erreicht, auf und öffnet mit einem Schwung die Tür, die unsere Nachbarn unvorsichtigerweise unverschlossen gelassen haben. Mit einem Satz landet unser Vierbeiner, von dem die Jahre wie durch magische Hand abgefallen zu sein scheinen, im weichen Schnee, durch den er sich dann leichtfüßig wie ein junger Spund in Richtung Weihnachtsbude bewegt. Denn hier taucht hinter dem wunderschön geschmückten, mittelgroßen Christbaum die graziöse Gestalt seiner Hundedame auf, die vorgibt, ihre ganze Aufmerksamkeit auf die dekorativen Elemente zu richten, hin und wieder jedoch einen halb versteckten, neckischen Blick durch die Tannenzweige hindurch auf ihren Verehrer richtet.

Dieser kann sich nun nicht mehr halten, sondern macht ungestüme Sprünge in Richtung Baum, gerät, oh nein!, kurz davor beim Versuch, abzubremsen und die Richtung zu ändern, ins Schleudern und landet somit direkt in den Zweigen, die sich nun mitsamt Stamm bedenklich zur anderen Seite neigen. Die Hundedame ist keine große Hilfe, legt sie doch endlich ihr gespieltes Desinteresse ab und dreht kläffend ihre Runden um den Baum herum, um einen besseren Blick auf den Zustand ihres Verehrers zu bekommen, der es sich offenbar in den Zweigen gemütlich gemacht hat und verdutzt, um nicht zu sagen dümmlich in die Gegend schaut. Als er keine Anstalten unternimmt, sich wieder auf sicheren Boden zu begeben, beginnt sie ihre Flucht nach vorn, indem sie den Übeltäter, sprich den Christbaum mit einer Leidenschaft attackiert, die keinen Widerstand duldet. Immer wieder aufs Neue wirft sie sich gegen das bereits unter dem Gewicht ihres Verehrers bedenklich schwankende, weihnachtliche Gewächs und hält erst inne, als dieses endlich nachgibt und zur anderen Seite kippt. Dekorationselemente kullern in alle Himmelsrichtungen und die himmlischen Lichter versiegen abrupt. Mensch und Tier scheinen gleichermaßen den Atem anzuhalten, so als ob die nun eintretende lähmende Stille das Geschehene ungeschehen machen kann. Dass dies unmöglich ist, zeigt der nun einsetzende Sturm, angeführt von dem Weihnachtsbudenbesitzer, der den Niedergang seines wunderschönen Tannenbaumes so gar nicht gutheißen kann

Weihnachts Opa und Oma

Von gebrannten Mandeln, Schokoäpfeln & einem Weihnachtsbaum für Oma und Opa

Schaulustige, „dank“ Corona in überschaubarer Zahl, und direkt oder indirekt Beteiligte finden sich zusammen. Und unser verliebtes Hundepaar als Auslöser dieses chaotischen Szenarios? Nun, das hat sich offenbar dazu entschlossen, das Versteckspiel aufzugeben und seiner gegenseitigen Zuneigung Ausdruck zu verleihen. Ganz am Rande des Geschehens, inmitten eines Bettes aus glitzernden Weihnachtsdekorationen haben sich die beiden Vierbeiner niedergelassen und die Hundedame ist gerade damit beschäftigt, ihrem Verehrer liebevoll das durcheinander geratene Fell zu glätten. Und auch die lautstark diskutierenden Menschenkinder scheinen nach der ersten Aufregung etwas ruhiger zu werden. Wer zuerst einen Blick auf das treue Hundepaar wirft, weiß ich nicht, aber das Bild der nun endlich vereinten Tiere ist so göttlich, dass selbst diejenigen, die keinen romantischen Funken in sich tragen, milde gestimmt werden und sich an das wahre Motto der Weihnacht als Fest der Liebe zu erinnern scheinen.

Ein verständnisvolles Schmunzeln zieht sich selbst über das ursprünglich aufgebrachte Gesicht des Weihnachtsbudenbesitzers und mit einer großzügigen Geste greift er zu den von ihm dargebotenen Leckereien wie verführerisch duftende Mandeln, reich verzierte Schokoäpfel und Zuckerwatte. „Eine kleine Kostprobe für alle und frohe Weihnachten!“ Doch es kommt noch besser. Wenige Minuten später, als er den Schaden etwas genauer unter die Lupe genommen hat, wendet er sich an unsere beiden Enkel. „Ihr kennt nicht zufällig jemanden, der etwas mit diesem Schmuckstück von einem Baum anfangen kann? Die Dekos, die den Sturz „überlebt“ haben, gibt es ebenfalls gratis dazu. Schließlich lohnt sich ein Wiederaufbau jetzt, so kurz vor dem Fest nicht.“

Und das ist also die Geschichte, wie Oma und Opa selbst in Corona-Zeiten ganz unverfänglich und kostenlos zu einem prachtvollen Christbaum inklusive exquisiter Deko gekommen sind.

Oma & Opa mit Enkelkinder + Hund + Weihnachtdbaum

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Mensch Opa Lingen – Ärgere Dich nicht >>>

Text „Weihnachtgeschichte“ kommt von Opa Lingen