Altenheim

„Was tun, wenn Oma oder Opa-Lingen nicht mehr allein zurechtkommen?“

Warum werden so viele alte Menschen abgeschoben in ein Heim? Wären nicht viele von ihnen in ihren Familien besser aufgehoben? Kaum werden sie alt und gebrechlich, fällt in vielen Familien das Wort „Altenheim“. Eltern und Kinder tun deshalb gut daran, sich frühzeitig und in gesunden Tagen über das Thema: „Wenn ich einmal nicht mehr kann …“ zu unterhalten und nach gemeinsamen Lösungen zu suchen.

In manchen Familien sind beide Partner berufstätig und können es sich nicht leisten, eine der Tätigkeiten aufzugeben, ohne selbst in eine schwierige Lebenssituation zu geraten. Dennoch lohnt es sich, über die Möglichkeit der Hauspflege nachzudenken, wenn die Räumlichkeiten vorhanden sind. Denn auch für die Pflege zu Hause bietet der Staat finanzielle Anreize und einen Ausgleich, wenn eine Person wegen der Pflege eines Angehörigen, nicht arbeiten gehen kann. Es könnte sogar die bessere Lösung für einige Betroffene sein, denn, wenn Oma oder Opa sich mit einem Beitrag aus der Rente beteiligen können, weil sie z. B. keine Miete mehr für eine eigene Wohnung bezahlen müssen, können die beiden Generationen eine Symbiose eingehen, in der jeder zu seinem Recht kommt.

Oma und Opa Altenheim
Foto pixabay.com

Eine Heimunterbringung lässt sich oft jahrelang hinauszögern, wenn Familien Verantwortung für alternde Angehörige übernehmen. Nicht immer sind Pflegebedürftige in verwirrtem Zustand oder benötigen Fachpersonal zur Betreuung. Solange ein Mensch sich noch allein fortbewegen kann – mit oder ohne Gehilfe, besteht die Pflege oft nur aus kleinen Dingen, wie Einkaufen, Putzen, Essen zubereiten oder einige hilfreiche Handreichungen beim Baden oder Duschen. Das sind Ereignisse, die ohnehin stattfinden und nur wenig Mehrarbeit bedeuten.

Das Wichtigste – auch für die geistige Gesundheit alter Menschen – ist das Zusammensein mit vertrauten Personen, das Eingebettetsein in die Familie, das Teilnehmen am Alltagsgeschehen. Als alter Mensch möchte man seine Enkelkinder aufwachsen sehen und auch sie in ihrer Entwicklung ein Stück weit begleiten, ohne noch die Verantwortung für Kinder tragen zu müssen. Nichts ist förderlicher für die geistige und körperliche Gesundheit, wie die vertraute Umgebung mit Menschen, die immer zu ihrem Leben gehörten, und die Beschäftigung mit dem aktuellen Alltagsgeschehen. Je nachdem, zu welchen Leistungen ein Mensch noch in der Lage ist, freuen alte Menschen sich, wenn sie die eine oder andere Arbeit im Haushalt erledigen und die Familie damit entlasten können. Sei es das Schälen von Kartoffeln, das Blumengießen oder einfach nur die gemütliche Teestunde, in der aus alten Zeiten Geschichten und Erfahrungen zum Besten gegeben werden.

Die jetzigen Alten haben in ihren besten Jahren auf Vieles verzichten müssen, um ihre Kinder aufziehen zu können, und fanden sich in weitaus dramatischeren Situationen ohne ausreichende Unterstützung von staatlicher Seite. Zu ihrer Zeit war es dennoch selbstverständlich, dass man sich um seine alten Eltern kümmerte, solange es möglich war. Und dabei half die ganze Familie. Heute sollen sie diese Erfahrung nicht mehr machen dürfen? Eltern solange wie möglich zu Hause zu pflegen, ist vermutlich die letzte Gelegenheit für Kinder, ihren Eltern für alles zu danken und ihnen die gleiche Sicherheit und Geborgenheit zurückzugeben, wie sie sie ihren Kindern gegeben haben, als diese noch klein und hilflos waren. Und genau das ist man, wenn man alt ist und die Kräfte schwinden. Man fühlt sich hilflos und ausgeliefert und alles Fremde kann tiefe Ängste auslösen.

Aber auch die „Alten“ müssen ihr Teil dazu beitragen und sich in ihre neue Lebenssituation einfügen. Wer gern von seinen Kindern betreut oder gepflegt werden möchte, sollte sich darüber im Klaren sein, dass er zwar in der Familie lebt und ein Teil von ihr ist, aber nicht mehr das Oberhaupt. Das zu akzeptieren fällt nicht leicht, besonders jenen Menschen nicht, die ihr Leben lang sehr selbstständig und unabhängig gewohnt waren zu agieren und zu entscheiden. Dennoch: Jede Generation hat ihren eigenen Lebensstil und ihre Überzeugungen. Das müssen alte Menschen respektieren, so wie sie es früher von ihren Kindern erwartet haben. Funktionieren kann ein gemeinsames Leben der Generationen nur, wenn Toleranz und Vertrauen an erster Stelle stehen.

Nicht zuletzt ist das eigene Verhalten seinen Eltern gegenüber, ein prägendes Vorleben für die eigenen Kinder, die eines Tages ebenfalls vor der Frage stehen: „Was machen wir, wenn Mama und Papa nicht mehr können …“

©Opa-Text