Dr. Google

Dr. Google hat immer Sprechstunde: Medizinische Informationen aus dem Netz

Das Internet bietet Wissenswertes in Hülle und Fülle. Zunehmend suchen viele Menschen erste Hilfe nicht beim Arzt, sondern schauen erst einmal ins Netz. Millionenfach stöbern Menschen jeden Tag bei Google nach Informationen über Krankheiten. Die häufigsten Schlagworte: Coronavirus, Schilddrüsenerkrankungen, Diabetes, Hämorrhoiden und Magenschleimhautentzündung sind die Spitzenreiter, die am meisten ins Google-Suchfeld getippt werden. Doch was nutzt diese Suche wirklich? Können medizinische Seiten und Beratungsangebote wirklich helfen, oder schaden sie eher? In welchen Fällen hilft Dr. Google, und wie können Sie die neuen Medien effektiv für Ihre Gesundheit einsetzen? Erfahren Sie mehr über den Umgang mit Dr. Google, dessen virtuelle Sprechstunde rund um die Uhr nur einen Mausklick entfernt ist.

Voraussichtliche Lesedauer: 7 Minuten

Dr. Google  fragen bei Bauchschmerzen
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Wann ist Dr. Google wirklich nützlich?

Ein Zipperlein bahnt sich an, ein Ausschlag, Halsschmerzen oder erhöhte Körpertemperatur machen auf sich aufmerksam. Typischerweise ist es gerade Samstagnachmittag oder am späten Abend – kein Arzt hat jetzt noch offen. Immer häufiger führt der erste Weg für Menschen mit Krankheitssymptomen nicht etwa in die Arztpraxis oder die Apotheke. Stattdessen wird Dr. Google befragt, die Symptome ins Suchfeld des Algorithmus eingetippt. Was dabei herauskommt, ist nicht selten beängstigend, auf jeden Fall aber sehr umfangreich. Das Angebot an Gesundheitsseiten, Beratungsangeboten und Medizinprodukten ist unermesslich. In diesem Dschungel aus Apps, Infoseiten, Therapiemöglichkeiten und Webshops hilfreiche Informationen herauszufiltern, ist nicht einfach. Lohnt sich die Mühe überhaupt? Was kann Dr. Google wirklich?
Dazu haben die Experten – Ärzte und Vertreter von Gesundheitsorganisationen – eine klare Meinung. Grundsätzlich lassen sich die neuen Medien sehr gut nutzen, um zur Gesundung von Patienten beizutragen oder die Gesundheit zu erhalten. Es kommt jedoch auf die Auswahl und auf das Vorgehen an. Medizin im Netz ist auf dem Vormarsch, daran besteht kein Zweifel. So gibt es bereits in Niedersachsen die Möglichkeit, dass Ärzte ihre Patienten per Telefon, SMS, E-Mail oder Online-Chat behandeln, ganz ohne persönlichen Kontakt. Hier steht allerdings noch der menschliche Experte im direkten Kontakt mit dem Patienten. Bei Beratungsseiten im Internet ist dies nicht der Fall, es werden allgemeine Informationen über Krankheiten und ihre Verläufe dargestellt. Damit bleibt der individuelle Aspekt jeder Krankheit unberücksichtigt.
Im Gegensatz zu Arztpraxen und dem oft umständlichen Gesundheitswesen an sich hat das Wartezimmer von Dr. Google jederzeit geöffnet, 24 Stunden am Tag, das ganze Jahr hindurch. Hier können User schnell und ohne großen Aufwand Informationen zu jedem erdenklichen Symptom finden. In Sachen Anwenderfreundlichkeit und Verfügbarkeit ist das Internet dem deutschen Gesundheitssystem um Jahre voraus, das steht fest. Diese Flexibilität kann hilfreich sein, etwa nach einer Diagnose, um erste Informationen über eine diagnostizierte Erkrankung zu finden. Außerdem ist dem virtuellen Sprechzimmer keine Frage zu peinlich, und Dr. Google steht auch niemals unter Zeitdruck. Hier kann sich also jeder seine Informationen zusammensuchen, ohne das Gefühl zu haben, dem Arzt oder den wartenden Patienten im Wartezimmer nebenan wertvolle Zeit zu stehlen. Wer darauf achtet, seriöse Anbieter zu nutzen, kann tatsächlich vom Wissen des Netzes profitieren. So gibt es Seiten wie washabich.de, auf der komplizierte medizinische Fachbegriffe für Laien verständlich erläutert werden. Hier findet so mancher Erklärungen für eine Diagnose, die ihn andernfalls vielleicht überfordert. Auch auf der Suche nach altbewährten Hausmitteln gegen harmlose Symptome wird man fündig: Tipps gegen Schnupfen und Erkältung, kalte Füße oder andere „Zipperlein“ werden viel nachgefragt. Allerdings gilt auch hier: Verschwindet das Problem nicht nach wenigen Tagen, führt der nächste Gang zum Hausarzt. Nützliche Alltagshelfer können die vielen Apps sein, die inzwischen für unterschiedlichste Themen zu haben sind. Sie dokumentieren Blutdruckdaten, sportliche Betätigung oder die Ernährung, erinnern an Zahnarztbesuche, Impftermine oder die bevorstehende Menstruation, helfen bei der Raucherentwöhnung oder unterstützen bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Der wissenschaftliche Nachweis für den Nutzen dieser Anwendungen steht noch aus, erste Hinweise ergeben durchaus, dass die App-Unterstützung bei einem gesünderen Lebensstil hilft. Allerdings: Der Markt ist riesig, und nicht jedes Produkt ist wirklich hilfreich.

Rechner
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Können medizinische Informationen aus dem Netz auch schädlich sein?

Die Fülle der Angebote kann den Anwender auf den ersten Blick erschlagen – und vieles von dem, was im Netz an angeblich „medizinischem“ Wissen verbreitet wird, ist bei näherer Betrachtung wertlos, zu oberflächlich oder schlicht falsch. Den Gang zum Arzt oder dem Spezialisten kann Dr. Google auf keinen Fall ersetzen. Genau diese Gefahr besteht aber, sagen Experten der Gesundheitsbranche, etwa von der Deutschen Ärztekammer. Eine Bertelsmann-Studie hat ergeben, dass mehr als die Hälfte aller Deutschen bei Krankheitssymptomen regelmäßig einen Blick ins Netz wirft, um sich zu informieren. Hier finden sie alles: von Verschwörungstheorien über unsicheres Halbwissen bis hin zu hysterischer Panikmache. Das ist im Umgang mit Krankheiten natürlich wenig hilfreich. Grundsätzlich sollte darauf geachtet werden, sich nur über seriöse Quellen zu informieren. Denn: Je nach Hintergrund der Seite verfolgt der Anbieter ein bestimmtes, meist kommerzielles Interesse. Zu diesem Zweck werden Fakten so dargestellt, dass sie eine bestimmte Reaktion beim potentiellen Käufer auslösen – mitunter wird sogar schlicht falsch informiert. So kann schnell eine falsche Selbstdiagnose zustande kommen, und der wichtige Gang zum Arzt wird vielleicht unnötig verzögert. Inzwischen gibt es sogar einen Begriff für Menschen, die geradezu zwanghaft im Netz nach Hinweisen suchen und sich ihre eigene Diagnose „zurechtzimmern“. Die Cyberchondrie ist die Angst, an einer schlimmen Krankheit zu leiden, ausgelöst durch die Horrorszenarien, die das Internet zu jedem Symptom zeichnen kann.
Als Hilfsmittel im Umgang mit der eigenen Gesundheit ist das Netz also mit Vorsicht zu genießen. Doch wer einige Maßnahmen beachtet, kann aus den zahlreichen Informationen durchaus seinen Nutzen ziehen.

So finden Sie seriöse Informationen über Krankheiten im Internet

Als zusätzliche Informationsquelle können Online-Angebote durchaus hilfreich im Umgang mit Krankheiten sein. Hier kommt es jedoch auf die richtige Auswahl an. Wer sich die Mühe macht, nach seriösen Anbietern zu forschen, findet verlässliches Wissen, oft von Medizinern und medizinisch versierten Experten. Der erste Blick sollte stets ins Impressum einer Seite gehen, denn hier lässt sich erkennen, wer die Seite anbietet und welche Interessen er verfolgt. Wissenschaftliche Institute oder offizielle Stellen der Bundesregierung sind gute Beispiele für unabhängige Quellen. Unabhängige Portale gibt es außerdem von Krankenkassen, Krankenhausbetreibern oder niedergelassenen Ärzten. Hier werden Informationen aufbereitet, die keine kommerziellen Interessen verfolgen, weshalb sie durchaus als Ergänzung zum Arztgespräch taugen. Erfahrungsberichte in Foren eignen sich dagegen wenig: Zwar ermöglichen sie den Austausch mit anderen Betroffenen, doch nutzen im Einzelfall wenig. Immerhin ist jeder Krankheitsverlauf individuell, und kein Fall lässt sich mit dem anderen vergleichen.
Grundsätzlich bleibt der Gang zum Arzt obligatorisch, wenn Beschwerden nicht nach wenigen Tagen abklingen. Im Nachhinein kann das Netz helfen, Informationen zu vertiefen, Therapien zu verstehen oder veränderte Lebensgewohnheiten zu festigen. Das Wissen des Experten und seine fundierte Diagnose allerdings bleiben alternativlos auf dem Weg zur Gesundheit.

Text „Dr. Google hat immer Sprechstunde“ von Opa Lingen

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