Internet

Internet – Auffanglager für Gesetzlose?

Wer sich im Internet bewegt, der muss sich grundsätzlich darüber bewusst sein, dass er sich in einem rechtsfreien Raum befindet. Das bedeutet nicht, dass es in der virtuellen Welt keine Gesetze gibt. Diese haben allerdings nur für seriöse Menschen Gültigkeit. Ein kleiner Websitebetreiber, der ohne Impressum unterwegs ist, kann schnell mal in der Abmahnfalle landen. Dass er auf die Angabe seiner Daten möglicherweise deshalb verzichtet, weil er sich vor Mobbing oder gar Stalking schützen möchte, zählt nicht. Selbst wenn er sich, abgesehen vom Fehlen des Impressums, nichts zuschulden kommen lässt, wird er zur Kasse gebeten.

Psychopathische, gewissenlose oder gar kriminelle Zeitgenossen hingegen haben im Internet ihre unbegrenzte Spielwiese, denn für sie sind die Möglichkeiten zur Verdeckung ihrer Identität zahlreich. Domains werden einfach anonym über Zwischenhändler registriert, deren Geschäftssitz auf irgendeiner staatenlosen Insel sie unangreifbar macht. Genutzt werden solche Domains dann von Anbietern illegaler Downloads oder zum Tausch oder Verkauf von Kinderpornographie.

Für leidenschaftliche Mobber, die ihrem Hobby nachgehen möchten, gibt es ein sehr vielfältiges Angebot. Eine anonyme Anmeldung in einem großen Forum oder auf einer Bewertungsplattform genügt, und sie können ihre Opfer wahlweise in den geschäftlichen Ruin, in die Krankheit oder, bei entsprechender Prädestination des Opfers, gar in den Tod hetzen. Alles ganz bequem, vom heimischen Schreibtisch aus. Entdeckungsgefahr: gering, denn sie unterliegen, man höre und staune, der Meinungsfreiheit und dem Datenschutz, (wenn sie ihre Anmeldung nicht sowieso mit einer nicht rückverfolgbaren Wegwerf-Mailadresse getätigt haben). Anders als der kleine Websitebetreiber aus unserem Eingangsbeispiel, dessen Meinungsfreiheit durch den Zwang zur Offenlegung seiner kompletten Kontaktdaten beschnitten wird, unterliegen Mobber auf Großplattformen keiner Impressumpflicht. Es gilt vielmehr das Impressum des Seitenbetreibers. Oft handelt es sich um Großfirmen mit eigenen Gesetzen und Verflechtungen bis in die höchsten Ebenen der Wirtschaft hinein. Juristische Aussichten gegen sie? – Nahezu Null.

Auch Facebook bietet gute Chancen zur Entfaltung illegaler Aktivitäten. Letzte Woche machte sich ein Virus dort breit, das ahnungslose User auf ein fremdes Blog lockt, zu welchem Zweck auch immer. Selbst Vorsichtige fielen darauf herein, da sich die URL als facebook-interner Link tarnte. Das Virus brachte in Windeseile böses Blut auf die Plattform, da es den Anschein erweckte, Stalker zu enttarnen. Dies entsprach nicht den Tatsachen. Vielmehr fanden sich viele harmlose User in einer Liste der angeblichen Profil-Stalker wieder.

PC mit Internet
Foto pixabay.com

Internet – Anders als das »Wahre Leben«?

Definitiv ja. Denn im Netz scheinen die moralischen Gewichtungen auf dem Kopf zu stehen. Was Offline eine schwere Beleidigung darstellen würde, geht im Internet unter »Meinungsfreiheit« durch, selbst dann, wenn der Adressat mit vollem Namen genannt wird. Strafanzeigen sind in diesem Zusammenhang meistens wirkungslos. Entweder, der Urheber kann nicht ermittelt werden, oder aber die Polizei verfolgt die Sache einfach nicht weiter, mangels interneterfahrener Mitarbeiter.

Die logische Folge dieser Zustände ist, dass das Netz in zwei Teile zerfällt: den rechtsfreien Raum der Mobber, Stalker und Kriminellen, sowie einen überregulierten »legalen« Teil, dessen Protagonisten von Internetausdruckern drangsaliert werden. Die Anständigen zu kriminalisieren, das ist eben allemal einfacher, wenn man an die anderen nicht herankommt.

©Opa-Text