Twitter

Es war die erste Ankündigung des nahenden Frühlings. Töne, die einen nach dem langen stillen Winter aufhorchen und das Aufstehritual wieder leichter werden ließen. Das morgendliche Zwitschern der ersten Singvögel!

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber wenn sie nach langer Kälte, Nebel-, Regen- und Schneezeiten, endlich wieder zu hören sind, dann ist das wie der Startschuss in ein neues Lebensgefühl. Ich fühle mich gleich viel munterer und unternehmungslustiger durch die Gewissheit, dass jetzt die Lebenssäfte zurückkehren, dass die Tage früher heller werden, dass alles bald wieder leichter von der Hand gehen wird, und dass ich auf den Straßen wieder Menschen treffen und mit ihnen plaudern kann. Und sei es auch nur ein kurzer fröhlicher Gruß im Vorbeigehen wie: „Hallo Opa Lingen, wie geht’s? Ich war heute schon beim Zahnarzt!“, und wenn man Glück hat, hört man Heinz noch von Weitem zurückrufen: „Denn man to, ich fahr zum Handball!“, während von der anderen Straßenseite, der Bäcker Ihnen zuruft: „Heute gibt’s 10 Brötchen für 1 Euro!“, aber dann ist er auch schon wieder in seinem Laden verschwunden. Macht nichts, denn Sie haben gar keine Zeit ihm seine Brötchen abzukaufen, weil nämlich Franz gerade an Ihnen vorbei joggt und völlig außer Atem ausstößt: „Na, Opa Lingen, immer noch im Schneckentempo unterwegs?“ Während Sie noch darüber nachdenken, was Sie von dieser Aussage halten sollen, wo Sie doch eigentlich zügig voran laufen, entdecken Sie, dass an der Ecke ein neuer PC-Laden eröffnet wurde. Ein kurzer Halt, ein Blick ins Schaufenster, da tippt Ihnen jemand auf die Schulter. „Der wird sich hier nicht lange halten! Dahinten ist alles billiger!“, ruft eine Stimme hinter Ihnen, doch wenn Sie sich umdrehen, sehen Sie nur noch einen winkenden Arm um die Ecke biegen.

So ähnlich könnte auch das muntere Gezwitscher auf den Bäumen und in der Luft sich anhören, wenn die kleinen Gefiederten zurück sind und sich augenscheinlich jede Menge zu berichten haben. Ein Durcheinander ohne Gleichen, jedenfalls für die, die ihre Sprache nicht deuten können. Und noch jemandem wird dieser Zusammenhang aufgefallen sein, die ihm dann die geniale Idee einer zwitschernden Plattform für Menschen im Internet brachte.

Twitter
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Genau, Twitter ist gemeint. Auf Twitter lässt es sich herrlich zwitschern. Kurz und bündig, knapp und grußlos. Wichtige und unwichtige Nachrichten und Mitteilungen von wichtigen und weniger wichtigen Zeitgenossen fliegen einem um die Ohren, oder besser gesagt um die Augen. Und ob Sie es glauben oder nicht, was viele noch immer für eine überflüssige Spielerei für Teenager halten, hat sich längst zu einer neuen Möglichkeit für kostenloses Marketing entwickelt. Weltweit Menschen kontaktieren, die gleiche Interessen haben, potenzielle Geschäftspartner finden und völlig unkompliziert, mit einem Mausklick mit ihnen in Kontakt treten. „Hallo, ich folge dir!“ sind die Zauberworte. Keine umständlichen Vorstellungen, bei denen man sich einen Kopf machen muss, wie man sie am Besten formuliert, sondern eine unkomplizierte Nachricht, die dem anderen mitteilt: „Du könntest interessant sein, ich folge dir!“

Zugegeben, das ist so undeutsch, wie etwas nur sein kann. Ohne Antragstellung und Terminabsprache, völlig entkrampft, zu nichts verpflichtend und doch mit allen Möglichkeiten, hat Twitter ein Potenzial, das an eben diese kurzen Grüße in der näheren und weiteren Nachbarschaft erinnert. Unbekannte Menschen, die vorbeikommen und freundlich grüßen, andere, die man lange nicht gesehen hat, oder Bekannte, die man anspricht, weil sie eben Nachbarn sind und mit ihnen einen guten, wenn auch oberflächlichen Kontakt hält. Man weiß ja nie, ob einen dieser Nachbar, nicht irgendwann einmal braucht oder ob er nicht jemandem, der ganz wichtig für mich ist erzählt, was für ein brauchbarer Typ ich bin.

Also ich twitter gern und wer mir auf die Schnelle etwas was zwitschern möchte, der ist herzlich dazu eingeladen. Einfach so, weil’s Spaß macht und Kontakte bringt:

twitter.com/Opa_Lingen

©Text von Opa Lingen