Altenpflege wird immer teurer

Wird Opa-Lingen im Süden entsorgt?!

Die Altenpflege wird immer teurer. Längst nicht jeder Bedürftige kann sich eine bedarfsentsprechende Pflege leisten, Pflegebedarf ist zu einem der größten Armutsrisiken überhaupt geworden. Vor diesem Hintergrund wird darüber nachgedacht, die Altenpflege ins kostengünstigere Ausland zu verlagern.

Wird Deutschland bald Exportweltmeister in der Verschiebung seiner sozialen Probleme sein?

Schon jetzt wird über die verstärkte Anwerbung junger Menschen aus dem Ausland nachgedacht, um einen zu erwartenden Arbeitskräftemangel aufgrund zunehmend geburtenschwacher Jahrgänge auszugleichen. Sind wir ein Verschiebebahnhof? Sind Menschen die Verfügungsmasse der Statistiker? Wie menschenverachtend ist eine Gesellschaft, die junge Leute importiert und Pflegebedürftige exportiert, um das Bruttosozialprodukt stabil zu halten?

Altenpflege
Foto pixabay.com

Alte Bäume verpflanzen

Werden sich genügend kaputte Familien finden, die ihre Senioren widerspruchslos auf diese Weise entsorgen? Oder wird sich gar die Generation Ganztagskinderkrippe auf diese Weise rächen, wenn sie erst herangewachsen ist? Sicher finden sich genügend Animateure, die einem 90-jährigen Opa seinen Umzug in den sonnigen Süden schmackhaft machen werden, notfalls mit Zwangsbespaßung durch ein pfiffiges Tittitainment-Programm.

Neben der unfassbaren Idee, alte Bäume aus Kostengründen zu verpflanzen, enthält das Konzept noch eine zweite menschenverachtende Komponente: die Ausbeutung billiger Pflegekräfte. Wie lange wird es noch »Billiglohnländer« geben, die durch flächendeckende Unterbezahlung die Kohlen aus dem Feuer holen? Welche halbwegs plausibel klingende Begründung wird sich dafür finden, dass alte Menschen aus einem Staat entsorgt werden, in dem sie ihr Leben verbracht und ihre Steuern bezahlt haben?

Wo bleibt das ganze Geld?

Statt über derartigen Unfug nachzudenken, sollten die Kassen endlich damit beginnen, die richtigen Fragen zu stellen, nämlich: Wie kann es sein, dass ein Pflegeheim über 3.000 € pro Monat und Bewohner verrechnet, während der durchschnittliche Bruttolohn einer Altenpflegekraft bei unter 2.000 € liegt und die Pflegekraft auch noch bis zu vier Bewohner zu versorgen hat? Wo bleibt das ganze Geld, wenn die Zimmer winzig sind und das Essen aus Großküchen kommt? Wer füllt sich im Pflegebereich die Taschen, der auf noch etwas mehr Profit hofft, indem er die eigentliche Betreuungsleistung an Arbeitskräfte aus Billiglohnländern zu delegieren versucht, die natürlich auf derart reizvolle Aufgaben warten?

Die Kasernierung von Menschen nach Altersgruppen wird uns auf lange Sicht nicht weiterbringen. Ob Kindergarten oder Altersheim: Wir können den Anfang und das Ende des Lebens nicht aus dem »richtigen« Leben verbannen, indem wir diese Bevölkerungsgruppen unsichtbar machen, damit sie möglichst wenig stören. Wir brauchen eine neue Form des menschlichen Zusammenlebens, in der jeder, ob jung oder alt, seinen Platz hat. Niemand hat ein Leben unter den Vorgaben von Pflegesätzen und Betreuungsschlüsseln verdient. Und niemand hat es verdient, unter diesen Bedingungen sein Arbeitsleben zu verbringen, aus einem einfachen Grund: Es ist nicht natürlich. Dass so wenige Menschen Altenpfleger oder Kindergärtner werden möchten, zeigt, dass hier etwas im Argen liegt. Statt falsche Anreize für solche Berufe zu setzen oder das Problem einfach ins Ausland zu verschieben, sollten wir uns endlich mit der Tatsache auseinandersetzen, dass das menschliche Leben einen Anfang und ein Ende hat.

©Opa-Text