Gesundes Winterwetter

Jahreszeit

Auch wenn die Temperaturen in Lingen nicht so tief liegen, dass man von Rekorden sprechen könnte – extrem kalt ist es trotzdem. Vor allem, wenn man sich von den herrlichen Sonnenstrahlen locken lässt und sich jäh vom eisigen Ostwind geküsst fühlt. Der treibt einem ruckzuck die Tränen in die Augen und man hat das Gefühl, Wangen und Ohren wollen gleich zerspringen.

Dennoch, wenn uns dann schon mal eine Schneelandschaft vergönnt ist, dann will ich sie auch durchstreifen. Also heißt es, sich dick einzupacken, die Stirn mit einem Stirnband zu schützen, den Schal am besten gleich dreimal um den Hals wickeln und dann: nichts wie raus vor die Tore der Stadt. Natürlich ist ein strammer Schritt erforderlich, um der Kälte, die von allen Seiten versucht unter Hosen und Jacken zu kriechen, ein Schnippchen zu schlagen. Obwohl jeder, der sich aufrafft und die ersten Schritte in die Winterlandschaft wagt, sehr schnell feststellen wird, dass ein zügiger Laufschritt die Kälte schnell vertreibt, dass sich gar ein gemütliches Wärmefeld in der Jacke bildet und man weit davon entfernt ist, zu frieren.

Die kalte Luft ist übrigens in keiner Weise schädlich oder erkältungsbegünstigend. Krank wird davon niemand! Wichtig für die Bronchien ist das Atmen durch die Nase, wo die kalte Luft angewärmt wird, bevor sie in die Lungen gelangt. Wer sich dennoch einen Schnupfen holt, der hätte ihn sich auch beim Einkaufen im nächsten Geschäft geholt, weil ein Schnupfen einfach nur anzeigt, dass das Immunsystem gerade etwas schwächelt. Übrigens, halten sich die meisten Viren und Bakterien überhaupt viel lieber in Einkaufsläden als in eisiger Winterluft auf.

Ein besonders schöner Augenblick des Spaziergangs erwartet mich zum Ende. Dann nämlich, wenn die ungeschützte Nase rot getönt ist und es den Füßen in den Stiefeln doch langsam zu kalt wird, sodass sie sich Richtung Heimat wenden. Dann freue ich mich auf die gemütliche Wärme, die mir mein Ofen spendet. Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen, als nach einem Wintersparziergang, meinen frisch aufgebrühten Tee zu genießen. Die wohlige Wärme knisternder Holzscheite, der Duft von geschlagenem Holz und das flackernde Feuer, das mich sofort zum Träumen und Sinnieren einfängt, das ist jedes Mal ein starker Augenblick, den ich mit allen Sinnen genieße.

Knisternde Holzscheite im Kamin
Foto pixabay.com

Und dann schmunzle ich, denn es fallen mir wieder die Miesmacher ein, die mich für verrückt erklärten, als ich vor einigen Jahren kundtat, dass ich mir einen Ofen zulegen würde  um die ständig steigenden Gaspreise zu unterlaufen. „So viel Holz kannst Du gar nicht lagern, um alles damit zu heizen!“ oder „Da musst Du ja jeden Tag Asche entsorgen und Staub wischen!“ wurde orakelt. Doch meine Rechnung ging auf. Die Öfen waren vor einigen Jahren noch günstiger als heute und auch das Holz war billig. Schon nach dem ersten Winter bekam ich 40 Prozent meiner Heizkosten-Vorauszahlungen für Gas zurück. Da staunten sie nicht schlecht, die alten Nörgler. Und auch wenn die Preise für Holz mittlerweile gestiegen sind, so spare ich noch immer jedes Jahr einen dreistelligen Betrag ein. Aber auch der gesundheitliche Aspekt soll nicht unerwähnt bleiben. Man kann sein Holz natürlich fertig gehackt und geschnitten kaufen. Man kann es aber auch besonders günstig einkaufen, wenn es in handliche Stämme geschnitten ist, die man sich selber auf die gewünschte Größe bringt. Das ist ein herrlicher Sport für die Herbsttage. Den Gang in ein teures Fitness-Studio kann man sich damit wirklich sparen. Auch das Stapeln, der gehackten Holzscheite ist eine ebenso intelligente wie auch schweißtreibende Herausforderung. Irgendwie gibt einem diese Arbeit das Gefühl, ganz nah an seinen tierischen Wurzeln zu sein und selten fühlt man sich nach körperlicher Anstrengung so ausgefüllt und zufrieden.

Text „Gesundes Winterwetter“ kommt von Opa Lingen

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