Lingen Kivelingsfest

Das Kivelingsfest 2024 in Lingen und die historischen Hintergründe

Das Kivelingsfest gehört zu den spektakulären Ereignissen der Stadt Lingen im niedersächsischen Emsland und findet alle drei Jahre zu Pfingsten statt. Als historisches Volksfest lässt es das Mittelalter wieder auferstehen und erstreckt sich im bunten Markttreiben bis zum Pulverturm. Geehrt werden die Heldentaten der Kivelinge, die einst als tapfere Junggesellen die damals unter Belagerung stehende Festungsstadt verteidigten. Ganz der Tradition folgend tragen Handwerker, Musikanten, Jongleure und Gaukler zur Unterhaltung bei und präsentieren sich selbst und ihre Stände. Dieses Mal findet das Kivelingfest vom 18. Mai bis zum 20. Mai 2024 statt und verspricht, ein unvergessliches Ereignis zu werden.

Die Geschichte des Kivelingsfest

Das Wort „kieven“ stammt aus dem Mittelniederdeutschen und bedeutet etwa „kleiner Kämpfer“. Aus diesem ist die Bezeichnung der Kivelinge abgeleitet, zu deren Ehren das Volksfest bis heute zelebriert wird. Die Stadt Lingen stand im 14. Jahrhundert unter Belagerung und war geplagt von dem Kämpfen, die der Graf von Tecklenburg gegen den Bischof von Münster führte. Etliche Männer starben bei der Konfrontation, so dass am Ende auch die männliche Jugend hinzugerufen werden musste, um die Wälle weiter zu verteidigen.

Durch ihre Unterstützung gelang es, die Eroberung der Festung erfolgreich zu verhindern. Der Kampf dauerte drei Tage lang und war entscheidend für den Sieg der Stadt. Als Dank und Belohnung für ihren Einsatz erhielten die Bürgersöhne danach die Möglichkeit, drei Tage zu feiern und in dieser Zeit „die Herrschaft der Stadt“ zu übernehmen. Hier wurde nicht selten eine halbe Tonne Bier niedergemacht, das, wie es in den Schriften heißt, „zum Vertrinken nach altem Gebrauch“ zur Verfügung stand. Im 18. Jahrhundert galt der auf dem Fest stattfindende Umzug dann zeitweise sogar als Pflicht für alle ledigen Bürger, die unter der Androhung hoher Strafen mit ihrer Waffe am Aufmarsch teilnehmen mussten. Zum Glück hat sich der Zwang bald wieder in das reine Vergnügen umgekehrt, dennoch geht der heute mit dem Fest verbundene Bürgersöhne-Aufzug auf das einstige strenge Reglement zurück und wurde später ins Vereinsregister eingetragen.

Nach dem Ersten Weltkrieg konzentrierten sich die Kivelinge mehr und mehr auf die sozialen und kulturellen Bereiche der Stadt. Dazu gehörten auch Theateraufführungen in Plattdeutsch, die der Wahrung der regionalen Mundart dienten. 1972 wurde dann das dreijährige Volksfest zur 600-Jahrfeier des Vereins ins Leben gerufen und hat sich in der Tradition bis heute bewahrt. Bunte Kostüme und historische Gewänder, volkstümliche Sehenswürdigkeiten und der Verzicht auf moderne Technik prägen das Geschehen, um eine höchstmögliche mittelalterliche Glaubwürdigkeit zu erzielen. Das Volksfest findet auf allen Plätzen des Lingener Stadtkerns statt und bietet Unterhaltung für das ganze Volk.

Tradition und Authentizität

Was das Kivelingfest so einzigartig macht, ist die Authentizität, auf die Organisatoren Wert legen. Das beinhaltet nicht nur die Ausrichtung auf ein mittelalterliches Geschehen, sondern auch den Wegfall der elektrischen Beleuchtung und die Verwendung moderner Geräte. Dadurch entsteht ein echtes Gefühl der Zeitreise. Es gibt elf Sektionen im Kivelingsverein, die sich um die Planung und Umsetzung kümmern und sich in den ursprünglichen historischen Gewändern präsentieren. So haben Besucher die Möglichkeit, auf mittelalterliche Händler, Jongleure und Musikanten zu treffen, können Gauklern, Marktschreiern und Handwerkern bei ihrer Arbeit zusehen und einen Eindruck davon gewinnen, wie die Menschen damals lebten. Bis heute gilt für den Verein, dass nur Kiveling sein kann, wer unverheiratet ist. Mit der Hochzeit scheidet der Bürgersohn dann aus dem Verein aus.

Die Aufbauten, Kostüme und Fassaden sind teilweise nach Originalvorgaben gefertigt. In der Zeit des Festes wird der gesamte Stadtkern vom Marktplatz bis zum Pulverturm ins Mittelalter zurückversetzt. Besonders die historischen Holzbauten gehören zur den schönsten Attraktionen, ebenso wie die bunte Mischung der Akteure in ihren Kostümen. Geboten sind Veranstaltungen, Aktionen zum Mitmachen und natürlich ein breites Speise-, Getränke- und Warenangebot auf dem Markt. Das Fest schließt mit der Krönung des neuen Kiveling-Königs und einem großen Festumzug, der durch die gesamte Innenstadt führt.

Das Festprogramm und die Highlights

Das aktuelle Kivelingsfest startet am Samstag, den 18. Mai, um 9 Uhr morgens und eröffnet das mittelalterliche Markttreiben durch die elf Sektionen des Kivelingsvereins. Jede Sektion präsentiert eigene Attraktionen für die Besucher, die im Festprogramm aufgeführt sind. Es gibt musikalische Unterhaltung, Kirmes und Veranstaltungen, an denen Besucher entweder sebst aktiv teilnehmen können oder bei denen ihnen als Zuschauer Unterhaltung und Belustigung geboten sind. Viele Handwerker der Sektionen zeigen, wie sie nützliche mittelalterliche Gerätschaften herstellen, während Marktfrauen und Händler für die leckere Verpflegung sorgen.

Der Verzicht auf die elektrische Beleuchtung bedeutet nicht, dass das Fest im Dunkeln stattfindet. Sobald die Dämmerung aufkommt, entzünden sich Fackeln und Kerzen, während verteilte Feuerstellen für eine unvergessliche Atmosphäre in den Abendstunden sorgen. Nicht nur die Kivelinge und Teilnehmer selbst verkleiden sich, auch Besucher haben die Möglichkeit, sich mit Kostüm, Schwert und Burgfräuleinkleid unter die Menge zu mischen.

Am Sonntag beginnt das Fest ab 9.30 Uhr und bietet für Jung und Alt Spaß und Unterhaltung. Dazu gehört auch das Glockenspiel am Rathaus und das dazugehörige Figurenspiel, das immer alle drei Stunden ab 12 Uhr bis 18 Uhr stattfindet. Natürlich werden die Highlights und schönsten Veranstaltungen auch in Fotos festgehalten, um in der Kivelingszeitung und auf Social Media präsentiert zu werden. Die traditionelle Zeitung informiert über aktuelle und zeitgeschichtliche Ereignisse, verweist auf einzelne Veranstaltungen und bietet alle Informationen der elf Sektionen und ihr einzigartiges Programm.

Den Abschluss bildet am Montag ab 13.30 Uhr der historische Festumzug, der nach der zuvor erfolgten Krönungszeremonie startet. Der Umzug ist bis zu drei Kilometer lang und zählt über 1.000 Teilnehmer. Es gibt viel zu sehen, während die bunte Menge die Stadt umrundet und sich wieder auf dem Marktplatz zusammenfindet, um an der Wilhelmshöhe zu enden. Dort wartet ein Kaffeekonzert, während der Bürgersöhne-Aufzug als Gruppenbild im Foto festgehalten wird.

Die Trommeln der Kivelinge

Mit dem Volksfest wird die Tradition der Stadt Lingen in einzigartiger Weise bewahrt und lockt über die Bewohner hinaus zahlreiche Besucher an, die sich an der Aufmachung, dem mittelalterlichen Spektakel und dem umfassenden Speisen- und Getränkeangebot erfreuen. Sobald die ersten Trommeln ertönen, sind die Kivelinge nicht weit und rufen jedes Mal Bewunderung und Beisterung hervor. Ihr Motto lautet: „Pro civibus et civitate“ und bedeutet: „für die Bürger und für die Stadt“.

Die elf Sektionen engagieren sich ehrenamtlich zum Wohl der Gemeinde und für gute Zwecke. Sie möchten der Bevölkerung die Möglichkeit geben, sich mit der Stadt zu identifizieren, wozu das Kivelingfest 2024 einlädt. Mit dem Trommelschlag zeigen sich die mehr als 300 Mitglieder samt ihrer Marketenderinnen, die die Begleitdamen der Bürgersöhne sind. Gemeinsam erobern sie die Innenstadt, während die rustikalen Marktstände mit deftigen Speisen, Honigwein und Bier aus Krügen und verschiedenen Süßigkeiten locken.

Besucher haben die Möglichkeit, authentisch auf Strohballen Platz zu nehmen, Feuerschluckern und Jongleuren zuzusehen und sich von mittelalterlicher Musik berauschen zu lassen. Natürlich ist auch Tanz und Gesang angesagt, besonders wenn die Stimmung feuchtfröhlicher wird. Bis zu 1.000 Freiwillige packen alle drei Jahre mit an und verwandeln Lingen in ein Ereignis, wo junge und alte Menschen miteinander feiern und sich immer wieder neu wundern, wie leicht spaßige Runden entstehen. Die Voraussetzung ist das Duzen unter den Kivelingen, unabhängig davon, ob es sich um ein Ehrenmitglied oder um ein neues Mitglied handelt, das gerade die Feuertaufe hinter sich hat. Es ist schön, sich auf Augenhöhe zu begegnen und miteinander die Festlichkeiten zu genießen.

Die Königskette der Kivelinge

Mitglied in den Verein kann jeder Einwohner der Stadt ab einem Alter von 16 Jahren werden, muss sich aber für ein Handwerk und eine bestimmte Sektion entscheiden. Auch genügt die Anmeldung noch nicht, sondern die Kivelinge prüfen genau, ob sie dem Beitritt zustimmen. Innerhalb mehrerer Wochen muss der Neuling unter Beweis stellen, dass er geeignet ist, dabei haben die Sektionen ihre individuellen Rituale. Ein Kiveling muss kulturell interessiert sein, sich gerne verkleiden, etwas spontan organisieren können und auch den einen oder anderen kleinen Spaß vertragen. Die Aufnahme ist gleichbedeutend mit einer verantwortungsvollen Aufgabe, die mit einem höheren Amt wächst. Wie engagiert die Kivelinge sind, zeigt sich auf dem bunten Volksfest, das bis heute auf der historischen Grundlage von 1372 basiert und wunderbar die Tradition mit der Moderne vermengt. Der alle drei Jahre gewählte König wird zeremoniell gekrönt und hat die Ehre, die Ketten aller Könige aus dem Wappen zu tragen, die ein nicht unerhebliches Gewicht um den Hals ist und die Stärke des Gekrönten demonstriert. Während die meisten Kivelinge damals auf dem Feld der Ehre fielen, erfolgt der Austritt heutzutage in der Regel durch Heirat. Für diesen Zweck ist das Verlassen des Vereins dann auch nicht allzu tragisch.

Text „Das Kivelingsfest 2024 in Lingen“ kommt von Opa Lingen

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