Geriatrie

Die Geriatrie: Definition, Aufgaben und Möglichkeiten

Als Geriatrie bezeichnet man die Lehre der Krankheiten alternder Menschen. Die geriatrische Medizin konzentriert sich auf Patientinnen und Patienten, die in der Regel über 65 Jahre alt sind. Durchschnittlich haben geriatrische Patienten aber bereits das 70 Lebensjahr überschritten.

Das besondere an der Geriatrie ist der ganzheitliche Ansatz, den sie verfolgt. Dies spielt eine wichtige Rolle, da die viele ältere Menschen unter verschiedenen Krankheiten und Beschwerden gleichzeitig leiden. Dem Anspruch, verschiedenste Krankheiten und Einflussfaktoren zu berücksichtigen, versucht die Geriatrie gerecht zu werden. Dafür arbeiten verschiedenste Ärzte und Fachgebiete zusammen. Das Ziel dabei ist stets, Senioren ein möglichst selbstständiges, gesundes Leben mit einer hohen Lebensqualität zu gewährleisten.

Wo liegt der Schwerpunkt der geriatrischen Medizin?

Insbesondere konzentriert die Geriatrie sich auf Erkrankungen, die gehäuft im höheren Alter auftreten. Die typischen Funktionsstörungen, die im Alter vorkommen, werden als die vier geriatrischen Is bezeichnet:

•             Instabilität

•             Inkontinenz

•             intellektueller Abbau und

•             Immobilität

Zum Aufgabenbereich der geriatrischen Medizin gehört es, auf die vorliegenden Beschwerden bezogen einen geeigneten Therapieplan für Senioren zu erstellen und dessen Durchführung zu überprüfen.

Dabei soll unter anderem berücksichtigt werden, ob die Patienten

•             unter Mehrfacherkrankungen leiden,

•             ob körperliche Defizite bestehen oder

•             psychische Probleme vorliegen.

Auch das soziale Umfeld wird miteinbezogen, wenn es um die Planung der Therapie geht: Gibt es Verwandte und Bekannte, die helfen können oder die Umsetzung überprüfen? Welche Besonderheiten gilt es zu beachten, damit die Therapie ihre gewünschte Wirkung erzielt?

Warum gibt es überhaupt die Geriatrie?

Im Alter kommt es bei vielen Menschen zu typischen Krankheitsbildern. Deren Ausprägung unterschiedet sich in der Regel von der bei jüngeren Menschen. Auch die äußeren Einflüsse sind hier ganz andere. Werden all diese Faktoren nicht umfassend analysiert, berücksichtigt und kontrolliert, stellen sich Therapieerfolge häufig nicht, verzögert oder nicht ausreichend ein.

Darüber hinaus verfolgt die Altersmedizin einen ganzheitlichen Ansatz und Maßnahmen verschiedenster Fachgebiete: Je nach Beschwerden und Krankheitsbild ist es nötig, dass Menschen in unterschiedlichen medizinischen Bereichen therapiert werden. Dafür sind verschiedene (Fach-)Ärzte und Therapeuten notwendig.

Problematisch wird dies, wenn diese nichts voneinander wissen oder Untersuchungsergebnisse, Behandlungsziele und ähnliches nicht oder nicht gänzlich untereinander weitergegeben werden.

Eine ältere Person beispielsweise, die gleichzeitig unter Herzproblemen, einer Nierenschwäche und Gelenkschmerzen leidet, benötigt eine angepasste Therapie. Möglicherweise kommt es zusätzlich zu Vergesslichkeit oder einer Neigung, zu stürzen.

Bei einem spezialisierten Geriater laufen dann alle Fäden zusammen, um dem Patienten die bestmögliche Therapie zukommen zu lassen.

Der Geriater: ein spezialisierter Facharzt für die Altersmedizin

Ein Geriater ist nicht nur auf einen Krankheitsbereich spezialisiert, sondern sieht den Patienten möglichst als Ganzes. Er schaut sich daher nichtbloß ein einziges Symptom an, das in seinen jeweiligen Zuständigkeitsbereich fällt. Er betrachtet den Gesamtzustand seiner Patienten. Geriater sind in der Regel erfahrene Ärzte, die sich 1,5 Jahre lang in einer zertifizierten Klinik für Geriatrie fortbilden. Sie übernehmen die Koordination der Therapie, arbeiten aber zusammen mit Ärzten und Therapeuten aus verschiedenen Fachrichtungen, um den Patienten umfassend, also ganzheitlich, zu behandeln.

Die geriatrische Behandlung: Wie sieht das Ganze in der Praxis aus?

Die geriatrische Behandlung: Wie sieht das Ganze in der Praxis aus?

Senioren, die sich eine bessere Lebensqualität wünschen und ihren Alltag möglichst selbstständig meistern möchten, können sich in eine geriatrische Behandlung begeben. Diese findet statt

•             in einem Krankenhaus

•             in einer speziellen geriatrischen Reha-Klinik

•             oder beim Patienten zuhause

Dabei arbeitet ein geriatrisches Team zusammen, das je nach individuellem Bedarf bestehen kann aus

•             verschiedenen Ärzten

•             Pflegekräften

•             Physiotherapeuten und Ergotherapeuten

•             Logopäden

•             Psychologen und

•             Sozialarbeitern

Eine Rolle spielt bei der geriatrischen Therapie idealerweise auch die Familie: Sie können die Senioren unterstützen, bei therapeutischen Entscheidungen helfen und auch in die Therapie miteinbezogen werden.

Ein Tag in der Geriatrie: Ein Beispiel für einen möglichen Tagesablauf

Selbstverständlich gestaltet sich der Tagesablauf in einer geriatrischen Einrichtung stets etwas unterschiedlich. Um sich dennoch ein genaueres Bild davon machen zu können, folgt ein beispielhafter Tagesablauf in der geriatrischen Medizin:

•             Morgens: aktivierende (möglichst eigenständige Körperpflege) mithilfe von geschultem Pflegepersonal, gemeinschaftliches Frühstück

•             Vormittags: Physiotherapie und Krankengymnastik, evtl. begleitet von Musik, Gedächtnistraining oder Gesang; als individuelle Übung und als Gruppentherapie

•             Mittags: Mittagessen, möglichst sitzend und in Gruppen, Kommunikation

•             Nachmittags: Pause, ggf. mit Mittagsschlaf oder -ruhe, erneute Übungen, Massagen, Lymphdrainage und andere Methoden für die Linderung diverser Beschwerden

•             Abends: gemeinsames Abendessen, Freizeit

•             dazwischen: medizinische Visiten und Untersuchungen in unterschiedlichen Fachabteilungen (je nach Bedarf)

Spezialfall geriatrische Reha

Den Antrag für eine geriatrische Reha stellt bei vorherigem Klinikaufenthalt ein zuständiger Arzt. Ansonsten erfolgt die Verordnung über einen auf Geriatrie spezialisierten Hausarzt. Der Aufenthalt in der geriatrischen Reha erfolgt in der Regel für einen Zeitraum von drei Wochen. Die Rehabilitation kann gegebenenfalls nach Beantragung verlängert werden. Zu Beginn der Reha wird der Gesundheitsstatus der Patienten ermittelt. Hierbei wird etwa darauf geachtet,

•             ob die Senioren gehen können,

•             wie gut es um ihr Gleichgewicht steht,

•             wie der soziale und kognitive Zustand ist und

•             wie gut die Sprach- und Merkfähigkeit ist.

Auch das soziale Umfeld wird dabei unter die Lupe genommen.

Anschließend erfolgt die Therapieplanung: Diese hat zum Ziel, dass der Patient mobiler wird, seine Selbstständig ausbaut und vor weiteren Krankheiten und Unfällen geschützt wird. Ein Beispiel hierfür ist die Sturz-Prävention. Hier werden verschiedene Vorkehrungen getroffen, um ältere Patienten vor Stürzen zu bewahren, die ein typisches Altersproblem sind.

Was passiert danach?

Im Anschluss an die geriatrische Behandlung haben Senioren die Möglichkeit, wieder in ihr gewohntes häusliches Umfeld zurückzukehren – im Idealfall ausgestattet mit einem guten Therapieplan für die Zukunft. Weiterhin ist es möglich, dass Patienten für die zukünftige Versorgung in ein Pflegeheim ziehen. Wie genau die Zeit nach der geriatrischen Behandlung aussehen wird, entscheiden die Senioren gemeinsam mit ihren Angehörigen und den zuständigen Ärzten und Therapeuten.

Geriatrie und Rehabilitation im Bonifatius Hospital Lingen

Lingen-Bonifatius-Hospital Wilhelmstraße 13
Lingener Bonifatius Hospital

Das Bonifatius Hospital Lingen ist eine Einrichtung, die überregional bekannt ist und ein vom Bundesministerium für Gesundheit gefördertes Modell verfolgt. Das Hospital verfügt über eine eigene Station, die sich der geriatrischen Rehabilitation verschrieben hat. Hier treffen wissenschaftliche Kompetenz und Expertise in folgenden Spezialgebieten zusammen:

•             Herz-Kreislauf-Erkrankungen

•             Mangel- und Fehlernährung (Diagnostik und Behandlung)

•             risikoadaptierte Tumor-Diagnostik und -therapie und

•             Neurophysiologie (mit Methoden wie Nervenleitgeschwindigkeit, Diagnostik von Neuropathien, EEG(Elektroenzephalografie)

Darüber hinaus bietet das Bonifatius Hospital ein teilstationäres Angebot an, welches aus einer Tagesklinik für Senioren besteht. Diese werden von einem Fahrdienst am Vormittag zuhause abgeholt und am Nachmittag nach ihrem Aufenthalt in der Klinik wieder zurück nachhause gebracht.

Auf diese Weise haben ältere Menschen, die eine geriatrische Behandlung benötigen, die Wahl zwischen einem voll- oder einem teilstationären Aufenthalt. Im Fokus steht bei beiden Varianten, die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten zu verbessern und Alterserkrankungen ganzheitlich zu therapieren.

Hier der Link zur Geriatrie & Rehabilitation im Bonifatius Hospital Lingen >>>

Text und Bilderrechte Opa